LEO

8. Dezember 2019

  1. Uns hât der winter geschât über al:
    heide unde walt sint beide nû val,
    dâ manic stimme vil suoze inne hal.
    sæhe ich die megde an der strâze den bal
    werfen! sô kæme uns der vogele schal.

    Möhte ich verslâfen des winters zît!
    wache ich die wîle, sô hân ich sîn nît,
    daz sîn gewalt ist sô breit und sô wît.
    weizgot er lât ouch dem meien den strît:
    sô lise ich bluomen dâ rîfe nû lît.

    Walther von der Vogelweide (ca. 1170~1230)

    Wir haben uns auch an einer Vertonung versucht:

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  2. Uns hat der Winter allenthalben Schaden getan.
    Heide und Wald, darinnen manche Stimme gar süß erscholl,
    sind jetzt beide ohne Farbe.
    Sähe ich doch die Mädchen auf der Straße Ball spielen!
    dann käme uns der Vogelsang wieder.

    Könnte ich nur den Winter verschlafen!
    Solange ich wach bin, groll ich ihm,
    weil er so weit und breit herrscht.
    Aber weiß Gott, er wird dem Mai schon noch das Feld räumen.
    Dann pflück ich Blumen, wo jetzt Reif liegt.

    Walther von der Vogelweide (ca. 1170~1230)
    (neuhochdeutsche Fassung: Hans Böhm)

  1. Mittelhochdeutsch
     
  2. Neuhochdeutsch
     
Bild: © Doris Leibold
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