14. Dezember

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Es war einmal ein König, dem starb seine geliebte Gemahlin. Da verfiel er in einen untröstlichen Kummer. „Wer mich von meinem Kummer heilen kann, dem schenke ich die Hälfte meines Königreiches“, sprach der König in seiner Not. Da versammelten sich alle Weisen des Landes und beratschlagten, wie der König geheilt werden könne. Aber sie wussten sich keinen Rat. Nur einer der Weisen sagte: „Bringt dem König das Hemd eines Glücklichen, damit er es auf dem Leibe tragen kann – dann wird der König von seinem Kummer erlöst.“

So schickte der König seine Abgesandten aus, einen Glücklichen zu finden. Sie reisten bis in den letzten Winkel des Reiches, aber wo sie auch hinkamen, drückte den einen hier, den anderen da der Schuh: Wenn einer reich war, war er krank, wenn er gesund war, war er arm, wenn er reich und gesund war, hatte er ein zänkisches Weib. Kurzum, es fand sich keiner im Volk, der so ganz glücklich sein wollte.

Schließlich kamen sie eines Abends an einer einfachen Hütte vorbei und hörten, wie darin einer sprach: „Gott sei's gedankt, mein Tagwerk ist getan, meine Arbeit nährt mich und ich kann mich zur Ruhe legen und schlafen. Was könnte mir noch zu meinem Glücke fehlen?“ Dies erfüllte die Abgesandten des Königs mit Freude und voller Eifer klopften sie an die Tür der Hütte: „Guter Mann, ziehe geschwind dein Hemd aus, damit wir es dem König bringen können. Er braucht das Hemd eines Glücklichen, damit er gesund werden kann und wird den, der es ihm geben kann, reichlich entlohnen.“ Daraufhin öffnete der Glückliche die Tür und lachte: „Meine lieben Herren, gerne würde ich dem König mein Hemd geben, aber seht, ich bin so arm, ich trage selber keines auf dem Leib!“ So mussten die Abgesandten mit leeren Händen zu ihrem König zurückkehren. Ob dieser aber auch ohne das Hemd eines Glücklichen von seinem Kummer genas, davon ist nichts überliefert.

Überliefert