8. Dezember



Irgendwie gehören sie zu Wald und Advent, die wuscheligen Schwarzkittel, die sich inzwischen so vermehrt haben, dass Forderungen nach dem Einsatz von Nachtsichtgeräten bei deren Jagd lauter werden. Nachfolgend eine animalisch-humane Jagdalternative, deren flächendeckende Erprobung derzeit in den bayerischen Staatsforsten (erkennbar am lichten Baumbestand) stattfindet.

Die glückliche Saujagd


Herr Ebermann geht unverzagt
Mit seiner Büchse auf die Jagd.

Doch plötzlich ihm der Atem stockt,
Weil eine Wildsau vor ihm hockt.


Umsonst hat er den Schuss versucht,
Nun rettet nichts mehr als die Flucht.


Auf einen Baum steigt er mit Hast -
Das Wildschwein hätt' erwischt ihn fast.


Das Wildschwein denkt sich: "Das ist dumm!"
Und schleicht voll Wut im Kreis herum.


Zum Glück zeigt Stamperl jetzt sich, und
Das Schwein verfolgt sogleich den Hund.


Nicht lang, so kehrt das Wildschwein um,
Den Baum berennt es mit Gebrumm.


Herr Ebermann dem Stamperl winkt,
Da bricht der Baum - o weh! er sinkt!


Und eh' er's selber weiß genau,
Fällt er herunter auf die Sau.


Voraus der Stamperl mit Geschrei,
Ihm reiten nach die andern zwei.


Zum Schweinstall Hund und Wildsau rennt -
Da hat der Ritt von selbst ein End'.


Gefangen sitzt die Sau im Haus,
Schaut mit dem Kopf zum Loch heraus.


Der brave Stamperl knurrt sie an,
Daneben steht Herr Ebermann.
Er denkt: "Nun hast du deinen Lohn!"
Und freut sich auf die Schinken schon.

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Münchner Bilderbogen Nro. 638. Herausgegeben und verlegt von Braun & Schneider, München - um 1900. Zur besseren Lesbarkeit wurden die Texte in neue Lettern gesetzt.