1. Dezember

Gerrit Engelke
1890-1918


Ich will heraus aus dieser Stadt

Ich weiß, daß Berge auf mich warten,
Draußen — weit —
Und Wald und Winterfeld und Wiesengarten
Voll Gotteinsamkeit —

Weiß, daß für mich ein Wind durch Wälder dringt,
So lange schon —
Daß Schnee fällt, daß der Mond nachtleise singt
Den Ewig-Ton —

Fühle, daß nachts Wolken schwellen,
Bäume,
Daß Ebenen, Gebirge wellen
In meine Träume —

Die Winterberge, meine Berge tönen —
Wälder sind verschneit —
Ich will hinaus, mit Euch mich zu versöhnen,
Ich will heraus aus dieser Zeit,

Hinweg von Märkten, Zimmern, Treppenstufen,
Straßenbraus —
Die Waldberge, die Waldberge rufen,
Locken mich hinaus!

Bald hab ich diese Straßenwochen,
Bald diesen Stadtbann aufgebrochen
Und ziehe hin, wo Ströme durch die Ewig-Erde pochen.
Ziehe selig in die Welt!

Foto01: Christina Preuß, Starnberger See