18. Dezember

Lieber Gott ...

JAN NERUDA

Als ich klein war, verlebte ich einmal einen Wintermonat bei einem meiner Prager Onkel. Der Onkel war Fischer und hatte auch die Sandgewinnung aus dem Fluß gepachtet. Er und die Tante teilten sich in die Arbeit: Der Onkel kümmerte sich um die Fische, die Tante um den Sand. Nicht ein Abend, an dem sie, bevor sie zu Bett gingen, nicht zu Gott gebetet hätten: Der Onkel, es möge frieren, damit die Fische bis Weihnachten teurer würden, die Tante, es möge kein Frost kommen, damit man im Fluß auf den Grund könne. Auch ich mußte, wenn sie mich zu Bett brachten, niederknien und beten. Nun gut- aber wem von beiden soll ich mit meinem Gebet beistehen? Mein Leckermaul wies mich auf die Tante und ihre Töpfe hin, und ich hätte durch mein Gebet mit dem größten Vergnügen Wärme bis zur Siedehitze für sie erbeten; aber das Herz zog mich wieder zum Onkel, will sagen zu Eis und Schnee: Was tun? Nun, so betete ich gleich zwei Vaterunser hintereinander und sagte mit einem tiefen Seufzer:
"Lieber Gott, weißt du was - mach, was du willst!"