22. Dezember



Mathias Jeschke
(* 1963)



Zum Tee bei Kakuzo Okakura



Zu Boden gehen.
Die Beine, die müden, am
Weglaufen hindern.

             °

Zähmen die Hände.
In der Zubereitung die
Zappligen fesseln.

             °

Die Schale an die
Lippen setzen. Leere hin-
einfließen lassen.

             °

Die Farbe des Tees
zu Glutfunken zerkauen.
Die brennen sich ein.

             °

Im Hinaufsinken:
Sein. Das impertinente,
das Wollen verdampft.

cp

aus:
Mathias Jeschke, Das Gebet der Ziege. Gedichte
edition AZUR, Dresden 2010