Auf der "Via triumphalis" nach Schwabing
Odeonsplatz, Ludwigstraße und Schwabing sahen im Laufe der
Geschichte Kaiser und Könige, Diktatoren und Dichter, Maler und
Forscher aus ganz Europa. Ein Buch könnte man über ihre
Leistungen und Untaten schreiben. Doch begnügen wir uns mit ein
paar Impressionen! Beginnen wir unseren Spaziergang an der
Feldherrnhalle (Nachbildung der Loggia dei Lanzi in Florenz),
die Friedrich Gärtner baute. Hier brach 1923 der Hitlerputsch
zusammen, von hier aus sprach 1962 de Gaulle zu den Münchnern.
Mit der angrenzenden Theatinerkirche löste die aus Savoyen
stammende Kurfürstin Henriette Adelaide ein Gelübde ein. Wenn
sich nach langen kinderlosen Ehejahren doch noch ein Thronfolger
einstellt, so schwor sie, wolle sie ein großes Gotteshaus bauen.
1660 kam Maria Anna, die spätere Schwiegertochter des
Sonnenkönigs Ludwig XIV., zur Welt, 1662 Kurprinz Max Emanuel.
Darauf gab die Savoyerin dem Italiener Barelli und dem Graubündner
Zuccalli den Auftrag zum Bau der Theatinerkirche. In der Gruft ruhen
Kaiser Karl VII. und der griechische König Otto.
Nördlich der Kirche steht das Finanzministerium, das erste
Neurenaissancegebäude Deutschlands. Gebaut hat es 1816 Klenze
für den Stiefsohn Napoleons, Eugen Beauharnais. Aufgewachsen sind
hier seine Töchter Josephine und Amelie. Die eine wurde
Königin von Schweden, die andere Kaiserin von Brasilien.
Vor dem Haus das Denkmal für König Ludwig I., den Initiator
der nach ihm benannten "Via triumphalis". Zu den herausragenden
Gebäuden der Ludwigstraße gehören das Hauptstaatsarchiv
und die Staatsbibliothek. Beide Häuser bergen sehr wertvolle
Bücherschätze und Archivalien aus dem Mittelalter. Daneben
die Ludwigskirche! Peter Cornelius schuf hier mit seinem "Jüngsten
Gericht" das größte geschlossene Wandgemälde der Welt.
Die Ludwig-Maximilians-Universität ist heute mit 110.000 Studenten
eine bedeutende Hochschule. Hier lehrten Liebig und Bosl, Max Weber und
Röntgen, Sauerbruch und Heisenberg.
Durch das von Gärtner errichtete Siegestor, einer Nachbildung des
Konstantinbogens in Rom, betreten wir Schwabing, wo Lenin 1900/01 die
Revolutionsfibel "Was tun!" schrieb. Erstes Gebäude des bekannten
Stadtviertels ist die Akademie der Bildenden Künste. Unweit davon
malte Kandinsky 1910 das erste gegenstandslose Bild in der
Kunstgeschichte. Gewirkt haben in Schwabing unter anderen noch Corinth
und Courbet, Klee und Kubin, Marc und Macke, die Dichterbrüder
Heinrich und Thomas Mann, die Gräfin Reventlow, Kästner,
Gulbransson, Brecht, Rilke und Reger. Die Geschwister Scholl stellten
hier ihre Flugblätter gegen Hitler her.
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