Die Residenz - das achte Weltwunder
Ganz auf den Spuren der Wittelsbacher, die in Bayern von 1180 bis 1918
herrschten, wandeln wir bei diesem Bummel, den wir im Alten Hof
beginnen. Hier residierte im 14. Jahrhundert Kaiser Ludwig. Ihn nannte
der Papst verächtlich "der Bayer", und schloß ihn wegen
Ungehorsams aus der Kirche aus. Der Kaiser sammelte daraufhin die
besten Gelehrten um sich. So wurde der Alte Hof nicht nur die erste
feste Kaiserresidenz im nachantiken Europa, er sah auch die Mitglieder
der bedeutendsten antipäpstlichen Akademie der Christenheit.
Auf den Erkerturm des Alten Hofes hinauf hat einer alten Münchner
Erzählung nach im Mittelalter ein Affe einen kleinen
Wittelsbacherprinzen getragen. Von hoch oben schaute das Tier dann mit
dem Baby im Arm auf die bangenden Leute herunter. Nach einiger Zeit
stieg der Affe aber wieder achtsam herab und legte den Prinzen brav in
die Wiege zurück.
Nächste Station auf unserem Spaziergang ist der im 15. und 16.
Jahrhundert erbaute Münzhof, dessen Arkaden im Innenhof die
Besucher faszinieren. Hinter den dicken Mauern bewahrten die
Wittelsbacher einst ihre Kunstschätze und Bücher auf. Man
hält das Prachtgebäude deshalb für das erste Museum
nördlich der Alpen.
Wir überqueren die Maximilianstraße und betreten die
Residenz, die man einst als achtes Weltwunder ansah. Goethe, Mozart,
Napoleon und viele gekrönte Häupter waren hier und bestaunten
Säle und Stiegen, Gemächer und Galerien, Hofe und
Kunstschätze. Die Residenz birgt die erste monumentale Treppe
nördlich der Alpen, die "Kaisertreppe" und den prächtigsten
und größten Renaissanceraum außerhalb Italiens, das
Antiquarium. Für diesen Festsaal lieferte Jacopo Strada die
Pläne. Unbedingt sehenswert sind weiter: der Kaisersaal, die
Reiche Kapelle, die Grüne Galerie, die Reichen Zimmer, das
Cuvilliéstheater, die Ahnengalerie, der Vier-Schimmelsaal, der
Grotten- und Brunnenhof und die Schatzkammer mit dem ältesten
Königsgebetbuch der Welt und kostbaren Kronen und Kaiserinsignien.
Ein hervorragendes Kunstwerk ist an der Westfront die Patrona Bavariae
von Hans Krumper. Unter der himmlischen Frau die Löwenschnauzen
mit abgewetzten Nasen! Wer sie reibt hat Glück, sagt der Volksmund.
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