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Isar Athen

Am Alten Botanischen Garten mit dem frühklassizistischen Eingangsportal starten wir eine Tour, die uns in einmaliger Weise die griechisch-bayerische Freundschaft dokumentiert. Wir gelangen zunächst zum Lenbachplatz, den Adolf Hildebrands Wittelsbacher Brunnen ziert, und streben durch die Max-Joseph-Straße zum Karolinenplatz. Den 29 Meter hohen Obelisken hier enthüllte 1833 König Ludwig I. Gesetzt wurde er zum Andenken an die 30.000 bayerischen Soldaten, die beim Rußlandfeldzug Napoleons 1812 gefallen sind. Gegossen hat man ihn aus gesunkenen türkischen Kanonen, die 1827 beim Freiheitskampf der Griechen eingesetzt waren.
Wie sehr Bayern mit der Wiege des Abendlandes sympathisierte, zeigt nicht nur die Tatsache, daß ihr König Otto ein Wittelsbacher war und mit ihm die weiß-blauen Farben nach Hellas kamen, sondern auch der Königsplatz, der München das Prädikat "Isar Athen" einbrachte. Bereits 1830 wurde die von Klenze entworfene Glyptothek eröftnet. Es ist das erste deutsche Museum, das für antike Plastiken gebaut wurde. Ausgestellt sind darin Fragmente der Giebelfiguren des Aphaia-Tempels in Ägina, Sphingen und Jünglinge aus der Zeit vor Christus.
"Das Geschick der Götter und Griechen Hellas schreitet hier im großartigen Stile vorüber",
schrieb bald nach der Eröffnung der Dichter Heinrich Laube. Gegenüber die im Revolutionsjahr 1848 von Ziebland fertiggestellten Antikensammlungen! Hier sind erlesene griechische und etruskische Vasen, Bronzen und Schmuckstücke ausgestellt.
Als letztes Werk am Königsplatz wurden 1862 Klenzes Propyläen fertig. Sie sollten nach Meinung König Ludwigs I. das Mahnmal für das Engagement der Bayern in Hellas sein. Doch ausgerechnet im Vollendungsjahr zwangen die Griechen seinen Sohn Otto zum Thronverzicht. Als der greise Ludwig das erstemal durch das Tor kutschierte, zog er vor Gram die Vorhänge der Hofkalesche zu. Sechs Jahre später starb er. Bestattet wurde er in der von Ziebland gebauten Basilika St. Bonifaz gleich hinter dem Königsplatz.
Im Todesjahr des kunstsinnigen Monarchen erfolgte die Gründung der Technischen Universität, deren Vorläuferin Ludwig I. bereits 1833 installierte. Der Bau steht hinter der Glyptothek und ist weltweit als "Schmiede" für Nobelpreisträger bekannt. Die Flugzeugbauer Dornier und Messerschmitt der Kühlschrankerfinder Linde und Diesel studierten hier. Im Schatten der Technischen Universität wohnten einst Justus Liebig, der erste deutsche Bundespräsident Theodor Heuss, Physik-Nobelpreisträger Wolfgang Paul und die Dichter Johannes R. Becher, Oskar Maria Graf, Jakob Wassermann und Waldemar Bonsels, dessen "Biene Maja", millionenfach aufgelegt wurde.


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