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Alte, aber kluge Wahrheiten über Pferde
- Das Pferd ist ein intelligentes und verständiges Thier: Die Behandlung ziele
daher immer auf Belehrung und Verständniß.
(aus: Peter v. Spohr: Gesundheitspflege der Pferde, S. 160, 1886.)
- Wer gute Pferde hält und will ihr recht genießen,
wird ihre Wartung wohl fürs erst bestellen müssen.
Durch strenge Ordnung, Maß in Arbeit, Trank und Speis',
Durch stete Reinigung von Unrath, Staub und Schweiß.
Weil viel mehr gute Pferd' von schlechter Wartung sterben,
als durch viel Unglücksfäll' und den Gebrauch verderben.
(aus: Johann Cr. Pinters: Pferdeschatz, 1688.)
- Soweit es zu ermöglichen, ist tägliche, andauernde Bewegung in der
freien Luft auf das Dringenste zu empfehlen. Sie hält das Thier gesund und giebt ihm
zwar kein opliertes Seidenhaar, aber eine Haardecke, die trotz ihrer Dicke gesund
aussieht und anliegend und glänzend ist.
(aus: Friedrich v. Krane: Anleitung zur Ausbildung der Kavallerie-Remonten,
S. 253, (Reprint 1983), 1879 ).
- Hat das Pferd drei- bis viermal auf einer Hand herum gelaufen, und gehorchet, so
läßt man es stillhalten und schmeichelt ihm... Nachdem man es hat
verschnauben lassen, läßt man es an der anderen Hand traben und beobachtet
dabei das nämliche... Starke und oft wiederholte Schläge bringen ein Pferd
zur Verzweiflung, machen es lasterhaft, zum Feind des Menschen und der Reitbahn, und
berauben es jener Zierlichkeit, die niemals wieder kommt, wenn sie einmal verloren
ist. Aus demselbigen Grunde darf man es auch nicht zu lange traben lassen, denn es
ermüdet das Pferd, und macht es verdrüßlich; vielmehr muß man es
mit derselben Munterkeit, mit der es aus dem Stalle kam, wieder in denselben
zurück schicken.
(aus: Guérinière: Reitkunst oder gründliche Anweisung,
S. 173, Reprint 1989.)
- Es liegt in dem Mangel an Nachdenken und im Nichterkennen des inneren
Zusammenhanges der Dinge, daß so viele Reiter bei den rohen Pferden das
Verständnis von selbstgewählten Hülfen vorraussetzen und das Thier
bestrafen, wenn es dieselben nicht versteht. Es liegt in der Auffassung des gemeinen
Mannes die Idee, das Thier "wolle nicht verstehen" oder "es könnte
wohl, aber es sei tückisch und wolle nicht", oder bei Streichen, Lahmgehen
"es verstelle sich". Für alle diese Dinge hat er dann die Strafe zur
Hand. Das Thier ist klug genug, um die Ungerechtigkeit zu erkennen. Strafen wir ein
Pferd, das ermüdet ist und stolpert, welches auf dem Glatten gleitet, das
schlecht im Gleichgewicht in die Eisen haut, oder, indem es sich streicht, lahm tritt,
so versündigen wir uns gegen das Thier; Strafen wir ein Pferd, welches scheut, so
wird es sich nicht nur in Zukunft vor jenem Gegenstande fürchten, sondern auch
vor der Strafe, die es dort erhielt.
(aus: Friedrich v. Krane: Anleitung zur Ausbildung der Kavallerie-Remonten,
S. 268, (Reprint 1983), 1879).
- Sodann lasse man sich nicht nur gründlich über das, was an dem
betreffenden Tier zu korregieren sei, informieren, sondern sich dasselbe auch von dem
Reiter, der es bisher geritten, vorreiten. Man wird dabei oft sofort die Ursachen
entdecken, welche die Widersetzlichkeiten des Pferdes verschulden.
(aus: Peter v. Spohr: Die Logik der Reitkunst, Teil 3, S. 44, Reprint
1979.)
- Das junge Pferd, von Natur ein Laufthier, hat man von den 24 Stunden des
Tages 23 1/2 Stunde an die Kette gelegt. Es kommt mit dem Bedürfnis, sich zu
bewegen, in die Bahn. Es achtet nicht auf den Reiter und dessen Hülfen und
ergreift jede Gelegenheit zu einem Sprunge oder einer Ungezogenheit... Bei dieser
Falserei, diesem Übermut ist keine Achtsamkeit, kein Aufmerken zu gewinnen.
Man muß erst den Stallmuth besiegen, man muß die Remonten
"abtraben", man könnte ebensogut sagen "abtreiben". Hat
man in der ersten Viertelstunde den Stallmuth besiegt und kann nicht eine lange
Zeit Schritt reiten, so sind die Thiere atemlos und angegriffen. Für die
Dressur in der zweiten Viertelstunde sind sie in dieser Verfassung wenig
geeignet.
Es wird der Stallmuth immer einen Theil der Kräfte, welche man zur
Dressur hätte verwerthen können, vorweg fortnehmen.
(aus: Friedrich v. Krane: Anleitung zur Ausbildung der Kavallerie-Remonten,
S. 255, (Reprint 1983), 1879).
- Die Übung stärkt die Muskeln, die Übermüdung schwächt
sie.
(aus: Friedrich v. Krane: Anleitung zur Ausbildung der Kavallerie-Remonten,
S. 255, (Reprint 1983), 1879).
- Nur wer des Pferdes bester Freund ist, wird es auch zu seinem besten Freunde
machen können. Praktisch ergeben sich dazu einige wichtige Regeln:
Beschäftige dich möglichst viel und freundlich mit deinem Pferde.
Begrüße es freundlich und scheide freundlich von ihm.
Was das Tier noch nicht leisten kann und noch nicht leicht und freudig leistet,
das verlege nie an das Ende der Lehrstunde! Diese schließe stets mit sicher
Gekonntem, mit freudig Geleistetem, damit Gelegenheit zu Lob und Gunstbezeugung sei!
Strafe, wenn Strafe sein muß, mit Ernst, unter Umständen mit Strenge,
niemals im Zorn oder mit aufbrausender Heftigkeit! Und der Strafe folge stets die
Versöhnung! Wenn es nicht gelingt, das eigentlich Gewollte zu erreichen und der
Moment des Scheidens naht, dann fordere man eine andere, der nicht erreichten
möglichst nahestehende Leistung, deren man sicher ist, um durch die Gelegenheit
zu erhalten, als Freund von dem Tier zu scheiden, mit Lob und Belohnung die Lehrstunde
zu schließen.
Dulde keine unfreundliche Behandlung des Tieres von seiten anderer, am wenigstens
von seinem Wärter!
(aus: Peter v. Spohr: Die Logik der Reitkunst, Teil 3, S. 8, Reprint
1979.)
- Mehr als ein, für hochschwierig verschrieenes, Pferd sah ich von Damen
reiten, die Interesse und Liebe zu dem Thier hatten, sich im Stalle und Baumgarten
eingehend mit ihm beschäftigten, und die Thiere leisteten vollen und freudigen
Gehorsam.
(aus: Peter v. Spohr: Gesundheitspflege der Pferde, S. 157, 1886.)
- Man muß die Natur eines Pferdes gut kennen, wenn man von den Strafen
einen guten Gebrauch machen will. Sie müssen der Größe des begangenen
Fehlers, und der Art, wie es sie annimmt, angemessen werden, um damit fortzufahren,
sie zu verstärken oder zu verringern, oder nach seiner Anlage und Stärke
ganz aufzuhören. Die Fehler, welche ein Pferd begeht, muß man nicht alle
für Laster halten, denn größtenteils entstehen sie aus Unwissenheit,
und öfters aus Schwäche.
(aus: Guérinière: Reitkunst oder gründliche Anweisung,
S. 169, Reprint 1989.)
- "Mir hat ein Pferd noch niemals etwas zuliebe getan!"
Dieses oft zitierte Wort des Herzogs von Newcastle zeigt denselben als einen
richtigen Vorgänger der heutigen... strammen Gewaltdressierer der stummen, aber
keineswegs dummen, edlen Kreatur.
Mir haben alle Pferde, die ich auch nur einige Monate geritten, viel zuliebe getan!
(aus: Peter v. Spohr: Die Logik der Reitkunst, Teil 3, S. 156 ff., Reprint
1979.)
- Ein gutes Pferd hat keine Farbe!
(Unbekannt)
Anke Weinberger, 1995-04-20