Ach ja, apropos Gören, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt: Mein Name ist Holger und ich bin - ja, es stimmt wirklich - ich bin ein männliches Wesen im "zarten" Alter von 21 Jahren. Wenn ich gerade nichts zu tun habe, studiere ich Germanistik (Journalistik) und Geographie. Mit Sport hatte ich während meiner Schulzeit viel, heute jedoch fast gar nichts mehr zu tun. Drum fahre ich auch gerne Auto. Wrumm!
Aber zurück zu den besagten Gören mit ihrem (zensiert) Spruch "Reiten ist nur was für Mädchen". Irgendwann - vor knapp vier Wochen, um genau zu sein - wurde mir das jedoch zu dumm. Jetzt mußte ich es wissen: Ist Reiten nur was für Mädchen oder können Männer das auch. Und wie beweist man das am besten? Ja genau, man nimmt REITUNTERRICHT.
Im örtlichen Reitverein angekommen, machte ich mich sofort auf die Suche nach einem Verantwortlichen, sprich dem Reitlehrer. Gottlob stellte sich dabei heraus, daß es ein Mann war. Und der bat mich gleich in die Stunde am nächsten Tag, 14.50 Mark sollte sie kosten. Nicht gerade billig für eine halbe Longenstunde, aber pfeif drauf!
So stand ich also am nächsten Tag auf der Matte, will sagen auf dem Hallenbelag. Um mich herum hüpften etwa 15 Mädchen - alle halb so groß und halb so alt wie ich - und kuckten mich mit leichtem Zucken in den Mundwinkeln an. "Was will denn der da", werden sie wohl gedacht haben, oder vielleicht auch "Reiten, das ist doch nur was für Mädchen!" Mein bis dahin eisenhartes Selbstbewußtsein schmolz dahin wie ein Schneemann in der Frühlingssonne. "Ich hau ab!", dachte ich mir, aber zu spät. Ein großes braunes Etwas auf vier Beinen spazierte - angeführt von einer Frau - auf mich zu. Ein Exemplar der Gattung Pferd, wie ich mit wachem Verstand kombinierte. Aha!
Und so kam's wie's kommen mußte, ich sollte aufsitzen. Also erstmal hintenrum ums Pferd gelatscht (soll man nicht machen, erfuhr ich sogleich, denn das könne unschöne hufeisenförmige Abdrücke im Gesicht hinterlassen), mit einem wahren akrobatischen Akt den Schuh in den Steigbügel gestellt und mit Müh und Not hochgezogen (ich armer alter Mann!). Und plötzlich - ich glaubte es kaum - saß ich oben. Nun gut, dachte ich mir, ist ja gar nicht so schlimm. Doch ich irrte. Auf ein "Klck" der Reitlehrerin hin gab der Gäuler nämlich Gas, und das wo ich doch noch gar nicht wußte, wo denn hier die Bremse ist. Kurz darauf erhielt dann auch ich die ersten Befehle. "Rücken gerade, Schenkel ans Pferd drücken, Absatz nach unten, Zehenspitzen nach innen drehen" - ja mach ich hier denn Yoga oder was??? Mit verkrampften Händen hielt ich mich verzweifelt am Sattel fest, Schweißperlen tropften herab und ich dachte mir immer wieder "Wann hört das endlich auf?" Aber statt aufzuhören, ging's erst richtig los. Ich solle nun beide Schenkel gleichzeitig fest zusammendrücken, meinte die Dame in der Mitte. Das Zeichen zum Anhalten? Nein, wurde mir schnell bewußt, sondern das Zeichen zum "Gangschalten" - aus Schritt mach Trab. Hiiillffeeee!!!! Ich geb's ja zu, fuhr es mir durch den Kopf, Reiten ist was für Mädchen, allein schon aus anatomischer Sicht. Mit Schrecken stellte ich mir nämlich vor, daß ich, nachdem ich mir irgendwelche Körperteile gequetscht hatte, im Tölzer Knabenchor mitsingen könnte.
Nach einer halben Stunde hatte das Leiden aber ein Ende, ich durfte absitzen, und zwar ganz so, wie ich es damals in Sport (ich hatte immer eine Eins) gelernt hatte. Mit Schwung die Beine nach oben, über den Pferderücken drüber und in den Stand. ES WAR VOLLBRACHT. Ich hatte meine erste Reitstunde hinter mir. Mit zitternden Beinen und Armen wackelte ich zu meinem Auto und zuckelte heim. Nachdem sich die erste Anspannung etwas gelegt hatte, machte ich mir einige Gedanken. So schlimm war es doch eigentlich gar nicht, und außerdem: die drei bezahlten Schnupperstunden kann ich ja wohl nicht verkommen lassen.... Und so begann meine Karriere als Reiter. Klar, an den darauffolgenden Tagen konnte ich mich vor lauter Muskelkatern kaum noch bewegen, dennoch, ich machte weiter. Seit letzter Woche habe ich nun regelmäßige Reitstunden, und es macht immer mehr Spaß. Und ich glaube, ich bleibe dabei. Eines habe ich auf alle Fälle herausgefunden: REITEN IST NICHT NUR WAS FÜR MÄDCHEN...