Universität Bielefeld - Technische Fakultät
Tag der Buschtrommeln
Am 21.02.1996 (Aschermittwoch)
Haben Sie sich heute schon über die Telekom geärgert? Gehören Sie
auch zu den Nutzern von Onlinediensten? Fühlen Sie sich abgezockt?
Ärgern Sie sich, daß Sie sich nicht wehren können?
Sie sind nicht allein! Alles, was Sie machen müssen, ist mitmachen!
Was sollte man also tun, damit dieser Tag ein Erfolg wird?
- Telefonieren Sie nicht am Aschermittwoch (21.02.96). Nutzen Sie
Ihr Fax nicht, lassen Sie Ihr Modem ausgeschaltet.
- Geben Sie der Telekom einen kleinen Vorgeschmack auf 1998 (dann
fällt das Netzmonopol und andere Anbieter werden der Telekom
Kunden abwerben). Zeigen Sie den Telekomikern, wie leer ihr Netz
sein kann, wenn ihre Kunden abwandern und dauerhaft weg sind.
Geben Sie der Telekom ihr ganz privates 1998 - am Aschermittwoch.
- Telefonieren Sie am Aschermittwoch so wenig wie möglich (Kleinvieh
macht auch Mist). Nein, telefonieren Sie besser gar nicht!
- Wenn Sie schon an diesem Tag Ihr Geld der Telekom in den Rachen werfen,
dann opfern Sie nur eine Einheit (und bedenken Sie, daß diese in manchen
Regionen tagsüber im Ortsbereich nur 84 Sekunden lang sein kann -
anstelle von 90 Sekunden)!
- Wenn Sie angerufen werden, dann machen Sie den Anrufer auf diese
Aktion aufmerksam. Denken Sie daran, auch wenn Sie angerufen werden,
verdient die Telekom.
- Sie arbeiten beruflich am Telefon? Müssen Sie unbedingt
telefonieren? Räumen Sie mal lieber Ihren Schreibtisch auf, oder
feiern sie Ueberstunden ab. Am Aschermittwoch haben Sie eh einen Kater,
telefonieren ist da nicht das Richtige für Sie. :-)
Diese Aktion wurde auf den Aschermittwoch (21.02.1996) gelegt, weil
- zu diesem Zeitpunkt alle Telefonrechnungen für den Januar bereits ihre
Empfänger erreicht haben müßten. Und wenn Sie zu den
Glücklichen zählen, die weniger zahlen müssen, dann zeigen Sie
bitte Solidarität.
- an einem Werktag nicht nur Privatpersonen telefonieren, sondern
auch viele Geschäftsleute. So hat jeder Gelegenheit zu zeigen,
wie wichtig ihm seine Telefonrechnung ist. Am Wochenende sind die
Tarife außerdem geringer und der gewünschte Effekt nicht so hoch.
- dies ein leicht zu merkender Termin ist. Er paßt ja auch
irgendwie...
Noch ein paar Tips:
- Legen Sie Widerspruch gegen Ihre Telekom-Rechnung ein, wenn Sie der
Meinung sind, daß Sie deutlich mehr Geld für die gleiche Dienstleistung
bezahlen mußten. Das befreit Sie nicht von der Pflicht, diese Rechnung
erst einmal zu bezahlen. Bedenken sie, daß mehrere Organisationen und
Privatpersonen gegen die Gebührenerhöhung klagen. Für den Fall, daß
diese Erfolg haben,
dann haben Sie eine gute Ausgangsposition, um Ihr Geld zurück zu
erhalten.
- Voraussichtlich nächstes Jahr wird es einen "Friends and Family"-
Tarif für Privatkunden geben. Es ist noch nicht genau bekannt, wie er
aussehen und wie hoch der zu erwartende Rabatt sein wird. Dieser wird
auch für Onlinedienste und Mailboxen nutzbar sein. Behalten Sie dies im
Auge.
- In zwei Jahren wird das Telekommunikationsmonopol aufgehoben.
Geben Sie dann den neuen Mitbewerbern eine Chance und der Telekom
einen kräftigen Tritt in den Hintern - melden Sie ihren Anschluß um!
Die Telekom rechnet zur Zeit wohl mit der Bequemlichkeit Ihrer
Kunden. Diese Illusion sollte Ihr genommen werden.
- Verbreiten Sie diesen Text. Wir haben wunderbare
Massen-Telekommunikationsmittel wie Mailboxen, Internet, Online-Dienste
und Fax. Nutzen Sie sie! Verbreiten Sie ihn (aber nicht zu oft, denn
daran verdient die Telekom).
Ein Appell an die Telekom:
Es ist allgemein bekannt, daß die bisherigen Preise im Ortsbereich
politische Preise waren, die durch die Ferngespräche subventioniert
wurden. Eine Anpassung der Gebühren ist deswegen sicherlich
notwendig gewesen.
Durch die zu frühe Umstellung und ohne die Möglichkeit der Vergabevon
Rabatten oder Sondertarifen haben Sie für längereVerbindungsdauern (die
bei den Nutzern von Onlinediensten Standardsind und durchaus über eine
Stunde lang sein können - pro Tag) diePreise ungefähr verdoppelt. Eine
Zahl aus der "freien" Wirtschaftzum Vergleich: Die Mieten von Wohnungen
dürfen um maximal 30% auf
einmal angehoben werden ( 2 I Nr.3. MHG).
Führen Sie deswegen, bis Sie im nächsten Jahr den "Friend andFamily"-
Tarif anbieten können, ungefähr die alten Telefongebührenim Citytarif
wieder ein. Verdoppeln Sie die Taktdauern am Vor- undNachmittag, passen
Sie den Freizeit-, Mondschein und Nachttarifebenfalls an.
Sie werden sonst langfristig viele Kunden verlieren!
Quelle: From: dirk weishaar, diwe@stud.uni-sb.de
Newsgroups: de.talk.chat, aus: MacNet
Anke Weinberger, 1996-01-19