Elektrische Mehrfrequenzlokomotive
Baureihe 184



Die letzte 184, 184 003, wird von Ehrang aus eingesetzt. Das Foto stammt vom 19. August 1996.
© 1997 Robert Wagner

TECHNISCHE DATEN

Radsatzanordnung Bo' Bo'
Treibraddurchmesser1250 mm
Länge über Puffer16950 mm
Drehgestellmittenabstand9000 mm
Dienstmasse84 t (lt. Fahrzeuganschrift 86 t)
maximale Achslast206 kN
Stromsysteme15 kV, 16 2/3 Hz/25 kV, 50 Hz (Gleichstrom 1.5 kV/Gleichstrom 3 kV)
Art des AntriebesGummiring-Kardan
Stundenleistung bei 88,5 km/h3240 kW
Dauerleistung bei 90 km/h3000 kW
Leistungkennziffer38,2 kW/t
größte zulässlige Geschwindigkeit150 km/h
größte zulässige Anfahrzugkraft274,7 kN
Stundenzugkraft131,5 kN
Dauerzugkraft115,8 kN
Steuerungstufenlose Thyristorsteuerung
Transformator2900 kVA, OFU
Bauart der BremsenKE-GPR EmZ
  • Bremsgewichte
  • R+E 160t
    P+E 140t
    R 115 t
    P 76 t
    G 60 t
  • Bremszylinder-Kolbenhub
  • 70-100 mm
    UIC-RasterFrankreich, Luxemburg
    IsolierungPVC
    Baujahr1965
    RevisionsdatenREV KOPLX 3.12.94
    BeheimatungGB Traktion Saarbrücken

    Am 25. Oktober 1966 kamen die fünf elektrischen Viersystemlokomotiven der BR E410 (ab 1968: 184), die bei Krupp gebaut wurden, zur Deutschen Bundesbahn. Sie waren neben der Verwendung im deutschen (15 kV, 16 2/3 Hz) und französischen Wechselstromsystem (25 kV, 50 Hz) auch für den Einsatz im belgischen (3 kV) und niederländischen (1,5 kV) Gleichstromnetz verwendbar. Drei der Loks, 184 001-003, wurden im Gleichstromteil von der AEG ausgerüstet, während 184 111 und 112 diese elektrische Ausrüstung von der BBC erhielten. Die BBC-Maschinen wurden im Gleichstrombetrieb direkt aus dem Netz gespeist, während die AEG-Lokomotiven ihre Energie über zwei Wechselrichtergruppen erhielten. Der Gleichstromteil erwies sich jedoch als so störanfällig, daß die Loks in Zweifrequenzlokomtiven zurückgebaut wurden und jetzt der Baureihe 181.0-1 entsprechen.

    Der Brückenrahmen ist als selbsttragende Schweißkonstruktion ausgeführt und wurde für den Einbau einer automatischen Mittelkupplung vorbereitet. Der Kastenaufbau ist fünfteilig, wobei die beiden Führerstände mit dem Rahmen verschweißt und die drei Hauben des Maschinenraumes, die gegeneinander mit Gummiprofilleisten verbunden sind, mit dem Rahmen verschraubt sind. Alle Loks sind mit Einholm-Stromabnehmern der Bauart SBS 66 ausgerüstet. Die Dauerleistung des ölgekühlten und fremdbelüfteten Transformators beträgt 2900 kVA.

    Erstmals wurde bei der BR 184 eine stufenlose Anschnittssteuerung über zwei steuerbare Thyristor-Gleichrichter benutzt, da die bisherigen Fahrmotoren für 16 2/3 Hz auch zum Betrieb mit 50 Hz und mit Gleichspannung durch besonders angepaßte Gleichstrommotoren, sogenannte "Mischstrommotoren", ausgelegt werden mußten. Die Funktionen "Gleichrichten" und "Spannungssteuerung" konnten in Kombination mit über Thyristoren steuerbare Gleichrichter vereinigt werden, wodurch auf mechanische Schaltwerke verzichtet werden konnte und bei den Fahrmotoren eine absolut stetig, stufenlose und sehr schnelle elektronische Regelung von Zugkraft und Geschwindigkeit erreicht wurde. Traktionstechnische Vorteile waren vor allem ein sehr guter Kraftschluß zwischen Rad und Schiene, allerdings wird das speisende Netz bei der Steuerung über Thyristoren mit "Phasenschnitt" mit Oberwellen und zu hoher Blindleistung belastet (die 184er sollen dadurch die belgische Signalsteuerung gestört haben).

    Alle fünf Loks wurden in blauer Lackierung ausgeliefert, später wurden zumindest 184 002 und 003 in türkis-beige umlackiert. Alle 184er wurden (und werden) im AW Opladen gewartet.

    Zunächst wurden die Maschinen hauptsächlich im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Köln und Liege (Lüttich/Belgien) eingesetzt (hier werden die Schnellzüge heute mit den belgischen Reihen 16 und 18 bespannt). Zwischen 1969 und 1974 zogen sie TEE-, Schnell- und Güterzüge zwischen Deutschland und Belgien sowie Frankreich. Nachdem der Gleichstromteil außer Betrieb genommen war, wurden die Loks nach Saarbrücken umbeheimatet, wo auch die BR 181 stationiert ist. 1981 wurde die BBC-Maschine 184 111 ausgemustert, ihre Schwester 184 112 folgte 1983. Die drei übrigen Loks wurden in einem dreitägigen Umlauf hauptsächlich vor Güterzügen von Ehrang nach Apach (Frankreich) eingesetzt, wobei teilweise auch Wasserbillig (Luxemburg) erreicht wurde. Wenige Personenleistungen fanden nur an bestimmten Wochentagen statt. Da die Maschinen immer sehr störanfällig waren, fanden in ihrem Umlauf häufig Saarbrücker 181.2 oder Trierer 215 Einsatz.

    Am 10.12.93 wurde 184 001 ausgemustert, 184 002 folgte am 30.11.94. 184 003 hat am 1.12.94 in Opladen eine weitere Hauptuntersuchung erhalten und steht weiterhin (als einzige 184) im Dienst.

    (Text von
    Eike Belgardt)

    Stand: Oktober 1996


    Robert Wagner, 11. März 1997
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