Elektrische Zweisystemlokomotive
Baureihe 180



Die Aufnahme zeigt 180 015 am 12. April 1993 in Dresden.
© 1994 Robert Wagner

TECHNISCHE DATEN

RadsatzanordnungBo' Bo'
Länge über Puffer16800 mm
Radstand8300 mm
Radstand im Drehgestell3200 mm
Lokdienstmasse84 t
Bauart der BremsenKE-GP+E-mZ
BremsgewichteG 65 t>br>P 79 t
P+E 95 t
Stromsysteme15 kV, 16 2/3 Hz (DR), 3-kV Gleichstromnetz (CSD)
Batterie48 V; Bleibatterie
Indienststellung230 001: 1988, Serie: 1991
Beheimatung180 001 - 180 020 Bh Dresden
HerstellerSkoda

Die Reichsbahn hat Ende Februar 1991 von 18 bestellten die erste Serien-Zweisystem-Ellok für den grenzüberschreitenden Verkehr mit der CR in Empfang genommen. Die vierachsigen Skoda-Lokomotiven der Baureihe 180 sind für das DR-Stromnetz mit 15 kV, 16 2/3 Hz und für das 3-kV-Gleichstromnetz in der CR geeignet. Die Serienlok unterscheiden sich kaum von der 1988 gelieferten Prototyp-Lokomotive 230 001, die die Reichsbahn getestet hat. Zum Einsatz kommt die klassische Bauweise mit Widerstandsregelung. Im Gleichstromnetz speist der Strom unmittelbar die Fahrmotoren, im Wechselstromnetz fließt er über einen Transformator. Ab Juni 1991 werden vier Lokomotiven vor Güterzügen zwischen Bad Schandau und Decin unterwegs sein. Für den internationalen Reisezugverkehr zwischen Leipzig/Berlin und Decin sowie bis nach Kutna hora sind neun Lokomotiven eingeplant. Für den grenz- und damit stromsystemüberschreitenden Einsatz auf dem Streckenabschnitt Bad Schandau - Decin (Bodenbach) beschafften die Deutsche Reichsbahn zwanzig und die Tschechoslowakischen Staatsbahnen CSD fünfzehn weitgehend baugleiche Zweisystemlokomotiven. Sie sind für den Betrieb mit bei der DR üblichen 15 kV/16 2/3 Hz und dem im nördlichen elektrifizierten Netz der Tschechoslowakischen Staatsbahnen verwendeten Gleichstrom von 3 kV ausgelegt. Gebaut wurden sie von den Skoda-Werken in Plzen. Die Baumusterlokomotiven 230 001 (DR) und 372 001 (CSD) wurden 1988 ausgeliefert. Nach einem umfangreichen Erprobungsprogramm folgten Anfang 1991 die Serienlokomotiven. Für die Maschinen sind die ungleichen Seitenwände kennzeichnend. In die eine Wand sind Luftsaugöffnungen und Filter eingelassen, während die Wand auf der Gangseite Fenster hat. Direkte Einstiege führen auf die verhältnismäßig einfachen Skoda-Einheitsführerstände.
Obgleich in Plzen bereits Zweisystemlokomotiven mit Plussteuerung entstanden sind, wählte man für die 180 die "klassische" Widerstandssteuerung. Anfahren und Geschwindigkeitsregelung werden über eine Schützsteuerung besorgt, die die einzelnen Widerstands-Regelstufen schaltet. Dabei stehen sogenannte "wirtschaftliche Fahrstufen" zur Verfügung. Bei Fahrt unter Gleichstrom werden die Stromkreise der vier Achsfahrmotoren unmittelbar aus der Fahrleitung gespeist. Beim Betrieb unter Wechselstrom fließt der Strom über den Hauptschalter zur Primärwicklung des Transformators. Der hat zwei Sekundär-Traktionswicklungen, aus denen die Traktionsmotoren über Stromrichter und Glättungsdrossel gespeist werden. Jeder der zwei Halbscherenstromabnehmer ist für beide Systeme nutzbar; sie verfügen über die jeweils erforderliche Anpreßkraft. Ein Relais sichert die richtige Einstellung auf die jeweilige Stromart in der Fahrleitung.
Die leistungsstarke fahrdrahtunabhängige elektrodynamische Bremse sorgt für gute Bremsverzögerung. Auf Wunsch der Bahnen wurden die Druckluftbremsen verschieden ausgeführt. Während die CSD auf die einheimische Bauart Dako zurückgriff, ließ die Deutsche Reichsbahn KE-Bremseinrichtungen einbauen.
Der mechanische Teil gleicht dem anderer Skoda-Lokomotiven jüngerer Konstruktion. Hauptrahmen und Kopfstücke bestehen aus höherfesten Baustählen. Für den Lokomotivkasten wurden Sickenbleche verwendet. Die Drehgestelle haben eine zweistufige Schraubenfederung und hydraulische Stoßdämpfer. Über den Drehgestellen sind zwei Lüfteraggregate mit zweistufigen Lüftern angeordnet. Dazwischen befindet sich der Geräteblock. Der Transformator ist zwischen den Drehgestellen von unten her eingebaut.

Stand: Juni 1994


Robert Wagner, 11. März 1997
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